» Über uns » Geschichte » 1920-1939

Am 23. März verstirbt der Bezirks-Feuerwehr-Vertreter Josef Platzer. Dieser Mann hatte sein Leben und seine ganze Schaffenskraft der Feuerwehrsache verschrieben. Er wurde mit allen Ehren zu Grabe getragen. Bei der Generalversammlung am 12. April wurden die beiden Kommandanten in ihrem Amt bestätigt.

Bei der Hauptübung verunglückte der Gruppenführer der Steiger,  Tapezierermeister Max Rieder, sehr schwer und erlag später seinen schweren Verletzungen.

Als einer der bedeutensten Feuerwehrmänner, den die Feuerwehr Straubing bis dahin hatte, verstarb im Februar der 1. Kommandant Johann Ablöscher. Er war seit 1899 an der Spitze der Wehr und war massgeblich für die Entwicklung verantwortlich.
Zur Jahreshauptversammlung am 16. Februar zählt die Wehr 248 aktive und 162 passive Mitglieder.
Auf Fürsprache aus der Straubinger Geschäftswelt und der Aktivität insbesondere von Kommerzienrat Huber als Herausgeber des „Straubinger Tagblatt“ erbringt eine Spendensammlung stattliche 20.000 Mark als Grundstock zur Finanzierung einer Autospritze. Am 17. Dezember gegen 17:00 Uhr lieferte die Firma Magirus aus Ulm das erste Automobile Löschgerät nach Straubing. Mit 900 Liter pro Minute Pumpenleistung, 10 Mann Besatzung und Platz für Schläuche, Leitern und weiteres Gerät ein enormer Fortschritt.
Bereits kurz nach Eintreffen rückte die Spritze zum ersten erfolgreichen Einsatz in die Chamer Straße aus, das Schlauchmaterial übersteht den Einsatz jedoch nicht ohne Schaden. Weitere Einsätze folgen bereits am 30.12 und 31.12. Zu diesen Überlandeinsätzen mussten die Feuerwehrmänner enorme Strapazen auf sich nehmen. Bei jeder Witterung und Temperatur saßen sie im Freien auf einer Holzbank total ungeschützt.

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Das Werkgebäude der „Süddt. Sägen-, Feilen- und Werkzeugfabriken AG“ in der Dr.-Otto-Höchtl-Straße (damals Kasernenstraße) brennt ab, Brandursache war Fahrlässigkeit im Umgang mit Öl beim Härten der Messer.

Am 14. Mai verunglückt die Autospritze bei der Heimfahrt von einer Vorführung bei Mallersdorf. Gab man anfangs noch dem Fahrer die Schuld, stellte sich jedoch bald ein Materialfehler an der Vorderachse als Unfallursache heraus.

Der Wasserturm wurde fertig gestellt und in Betrieb genommen, was eine weitere Verbesserung der Löschwasserversorgung bedeutete.

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Der Kassenstand bei der Generalversammlung beträgt 144 Billionen Mark. Im Lauf des Jahres waren 12 Einsätze, darunter 2 Großfeuer zu verzeichnen.

Durch die Folgen der Inflation beträgt der Kassenstand zur Jahresversammlung 12 Monate später gerade einmal noch 97,77 Mark. Im Lauf des Jahres sind 12 größere Brandeinsätze, darunter mehrere Großfeuer und zwei Dachstuhlbrände zu verzeichnen. 42 Feuerschutzwachen im Stadttheater, Colosseum und im Gesellenhaus mussten ebenso abgeleistet werden.

Zur Mitgliederversammlung am 18. März zählt die Wehr 225 aktive Mitglieder. Die Zahl der Brandeinsätze steigt in diesem Jahr auf 19 an, wobei immer öfter ein Einsatz zur nachbarschaftlichen Löschhilfe in den Landkreis erfolgt (9x). Es wurden 19 Übungen abgehalten und mehrere Feuerwehrfeste besucht. Die Zahl der Wachen bei Veranstaltungen erhöhte sich auf 52.

Neben zahlreichen Einsätzen, darunter 6 größeren Bränden, beschäftigt die Wehr vor allem die Diskussion mit dem Magistrat für nachbarschaftliche Löschhilfe mit der Motorspritze Gebühren zu verlangen und bei einer Anfahrt über 8km vorher das Einverständnis der Stadt einzuholen.

Die Freiwillige Feuerwehr übernimmt neben den Wachen im Colosseum (Kronensaal) und dem Stadttheater den Feuerschutz auf dem Gäubodenvolksfest. Im Jahr sind 11 Einsätze darunter 3 Großbrände in Steinach, Rinkam und Kößnach verzeichnet.

Die im Zuchthaus bestehende Anstaltsfeuerwehr ist mit einer 25m Höhenschubleiter, einen Steiger-, einen Hydranten- und Schlauchwagen, eine Handdruckspritze und eine Motorspritze System Magirus ausgestattet.

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16 kleinere Brände und 3 Großbrände im Stadtgebiet und 3 nachbarschaftliche Löschhilfen bei Großfeuern in Sallach, Kagers und Öbling beschäftigen die Wehr. Von einem Dachstuhlbrand am Spitalberg wurde im Straubinger Tagblatt berichtet. Bei diesem Brand wurde sogar wieder einmal über die Feuerglocke auf dem Stadtturm Großalarm ausgelöst.
Der sehr strenge Winter führte zur Bildung eines gewaltigen Eisstoßes auf der Donau.

Eine Gemeinschaftsübung der Straubinger Feuerwehr mit der Zuchthaus-Feuerwehr und der Freiwilligen Feuerwehr Kagers wird aus Anlass der Inspektion durch den Direktor des Landes Feuerwehr-Verbandes Ecker abgehalten. Der beantragte Mannschafts- und Gerätewagen kann mangels Finanzmittel nicht beschafft werden. Die Wehr beschließt als Eigeninitiative die Gründung eines Fond zur Beschaffung eines Transportwagens. 5 Großfeuer im Jahresverlauf und sechs Kleinbrände waren zu bekämpfen.

Im Jahresverlauf sind 19 Einsätze, darunter ein Großfeuer in der Ziegelei Jungmeier, damals noch in der Regensburger Straße, zu verzeichnen. Hierzu ereilten auch die Feuerwehren Alburg, Kagers, Rinkam, Hornstorf, Ittling und die Zuchthausfeuerwehr. 13 Schlauchleitungen wurden in Betrieb genommen, konnten jedoch nicht verhindern dass zwei Ringofengebäude vernichtet wurden. 
Sieben mal rückte die Wehr zur nachbarschaftlichen Löschhilfe in Landkreisgemeinden aus, unter anderem zum Kloster Metten.

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Die Feuerwehr erhielt ein weiteres automobiles Löschgerät, eine Magirus Autospritze die KS 2 wird für 12.400 Mark angeschafft. Die Vorbaupumpe leistet 1.200l/min. Zum Transport von Gerät und weiterer Mannschaft beschaffte sich die Wehr aus eigenen Mitteln einen Lastkraftwagen.
12 kleinere Brände und 2 Großfeuer im Stadtgebiet sowie 6 Großfeuer im Landkreis beschäftigen die Wehr im Jahresverlauf. Am 10. Juli, kurz nach 22:00 Uhr brach ein Feuer bei der Holz- und Kohlenhandlung Fritz Diermeier in der Mühlsteingasse aus. Mit 12 C-Rohren gelang es das Übergreifen auf das Wohnhaus und weiteren Nebengebäude zu verhindern. Der Kohleschuppen mit mehreren 1.000 Zentner Kohle und Holzvorräten wurde vernichtet. Die beiden noch in Dienst stehenden Handdruckspritzen wurden an Landfeuerwehren veräußert.

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Wieder einmal musste sich die Vorstandschaft mit dem schlechten Besuch der Übungen befassen. Es fanden 12 Übungen und die große Schlußübung statt. 21 Einsätze, darunter 5 Großfeuer, im Stadtgebiet und 2-mal nachbarschaftliche Hilfe im Landkreis wurden bewältigt.

Die Wehr verfügt über 317 aktive Mitglieder. Die Zuchthausfeuerwehr (lauter Beamte) wird aufgelöst und die Mitglieder als 4. Kompanie eingegliedert. 15 Brandeinsätze, darunter 2 Dachstuhlbrände, sind zu leisten; 6 Einsätze im Landkreis.

Durch die Machtergreifung der NSDAP musste sich die Feuerwehr mit dem Problem „Luftschutz“ auseinander setzen. Es wurden einige Chargen zu einem Luftschutz-Kurs entsandt.

Der Oberkommandant wurde wegen der Neuorganisation der Feuerwehren vom Landesbrand-Direktor auf Vorschlag des Oberbürgermeisters ernannt und der bestimmte seine Dienstgrade.

Am 4. und 5. Februar war ein Hochwassereinsatz notwendig.

 

Am 29. Juni brennt die hölzerne Schiffsbrücke über die Donau bei Hornstorf. Vom 17.-23. September wurde ein Feuerschutz-Woche abgehalten. Die Feuerwehr führte Propagandafahrten durch und klärte die Bevölkerung über die Notwendigkeit der Brandverhütung auf.

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Am 11. Februar fand die Generalversammlung mit nur noch 103 aktiven Mitgliedern statt. Grund dafür war eine Verordnung, welche eine Altersgrenze von 65 Jahren den Mitgliedern vorgab. Dadurch mussten auch die beiden verdienten Kommandanten Max Biechele und Konrad Mayer zurücktreten und wurden am 15. April ehrenvoll verabschiedet. An diesem Ehrenabend fanden sich neben fast allen Wehrmänner auch die Spitzen der Stadtverwaltung Oberbürgermeister Weiler, die Bürgermeister Dr. Höchtl und Schildhauer, sowie einige Stadträte ein. Mit Zustimmung der Versammlung wurden Max Biechele zum Ehrenvorstand und Konrad Mayer zum Ehrenkommandant ernannt. Die beiden waren maßgebend für die Modernisierung und die Motorisierung verantwortlich.
Als Nachfolger wurden Hans Rieder und Josef Poiger ernannt.

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Im Juni wurde das 75. Bestehen der freiwilligen Feuerwehr gefeiert. Verbunden mit dem 35. niederbayerischen Kreisfeuerwehrtag feierte man an zwei sonnigen Tagen und zeigte ihre Ausstattung und ihr Können. Das Oberkommando und alle Wehrmänner waren stolz auf die letzten 75 Jahre selbstlosen Einsatz am Nächsten und die gelebte Kameradschaft.

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Im gesamten Deutschen Reich wird das „Feuerschutzgesetz“ erlassen, die Feuerwehr verliert ihren Vereins-Charakter und wird zur „Feuerlöschpolizei“. Die Feuerwehrfahrzeuge durften nicht mehr rot sein, sondern mussten grün angestrichen werden. Zum Oberkommandanten wird Josef Poiger ernannt. Dieser ernannte Max Ablöscher zum Oberbrandmeister und seinem Stellvertreter.
Josef Dietl zum Hauswart und Oberbrandmeister, Xaver Böck zum Gerätewart und Brandmeister und Ludwig Hartmann zu Brandmeister und Schriftführer.
Die Anschaffung eines neuen Gerätewagens ersetzt den alten Lastkraftwagen.

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In der Feuerwache am Pfarrplatz wurde die Wohnung durch die Familie Karl Linka bewohnt, die dadurch die Aufgabe über hatte auf das Feuerhaus aufzupassen, die Alarminformationen von der Polizeiwache entgegenzunehmen und die Vorbereitungen zum Ausrücken durchzuführen. Diese ehrenvolle Aufgabe besorgte Karl Linka zu jederzeit mit seiner Familie. Seine Frau Maria war der gute Geist am Pfarrplatz, die sogar einen Kantinenbetrieb einrichtete.

Durch einen unerschrockenen Einsatz der Wehrmänner konnte eine Mehlstaubexplosion bei dem Großbrand der Hacker-Mühle in der Viereckmühlstrasse verhindert werden. Das Feuer wurde durch eine heiß gelaufende Schwungscheibe eines Förderbandes verursacht.

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Die Feuerwehr erhält eine für damalige Zeit hochmoderne Drehleiter mit 24+2 Meter Steighöhe und die Straubinger Feuerwehr hatte nun auch löschzugmäßig ein „Berufsfeuerwehrniveau“ erreicht.

Das Reichsfeuerlöschgesetz entsteht. Ein Feuerwehr-Wettbewerb auf Regierungsbezirksebene fand statt. Hierbei wurde von einer überörtlichen Kommision die Alarmbereitschaft, die Ausbildung und die Löscharbeit beurteilt. Straubing wurde in der Stufe 1 wegen einer zweimaligen Übung der Landshuter Feuerwehr nur zweite, was der Oberkommandanten Josef Poiger nicht als gerecht empfand, Einspruch erhob und die oberste Führung beleidigte, was zu dieser Zeit unverzeihlich war.

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Leider verunglückte der stets nach oben strebende Josef Poiger bei einem Verkehrsunfall mit seinem privatem Auto, einem „Stromlinien-Adler“ tödlich. Durch seinen unermüdlichen Einsatz für die Feuerwehr Straubing war er einer der größten Förderer der Straubinger Feuerwehr. Er wurde mit allen Ehren zu Grabe getragen.

Sein Nachfolger wurde der Hutmachermeister Rupert Reiß.

Nach Kriegsausbruch sinkt die Zahl der aktiven Feuerwehrmänner auf 36.

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