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Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) – Krisenintervention - Notfallseelsorge

 

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/26/Logo_NFS.jpgEin Dienst in der Feuerwehr und für die Feuerwehr

Alles begann im Jahr 1997 als ‚Notfallseelsorge‘. Die beiden großen Kirchen hatten sich auf den Weg gemacht, einen Dienst rund um die Uhr für die Bewältigung von Krisen anzubieten. Damit sollten Betroffene und Einsatzkräfte in schwierigen Situationen unterstützt werden.

Dann wurde daraus die ‚Krisenintervention‘, als Malteser und Bayerisches Rotes Kreuz die kirchlichen Kräfte erweiterten und ausgebildete Mitarbeiter im System der Notfallseelsorge bereitstellten.

Und nun ist daraus die Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) geworden, in der auch Mitglieder der Feuerwehr mitarbeiten. Jetzt wird unterschieden zwischen der PSNV-B, das ist die Versorgung für Betroffene bei Unfällen, Bränden, häuslichen Todesfällen oder Gewalttaten und dergleichen, und der PSNV-E, das ist die Aufarbeitung belastender Einsätze für die Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten.

 

Die Geschichte

Als Geburtsstunde der Notfallseelsorge in Deutschland gilt die Katastrophe der Flugschau auf dem amerikanischen Truppenübungsplatz in Rammstein im Jahr 1988. Als die Angehörigen von über 70 Toten und mehr als 450 Verletzten, sowie zahllose Einsatzkräfte offiziell keine psychologische Hilfe erhielten, gründeten Seelsorger die sogenannte Notfallseelsorge. Seitdem wird dieser Dienst immer wieder bei großen Unglücken bekannt, wie z.B. beim ICE-Unglück von Eschede im Juni 1998 oder den Hochwassern der Jahre 2002 an der Elbe oder 2013 an der Donau.

In Straubing war die Einweihung der damals neuesten Drehleiter im Jahre 1995 die ‚Geburtsstunde‘ der Notfallseelsorge in Stadt und Landkreis, als Pfarrer Hasso von Winning bei der kirchlichen Segnung den Aufbau dieses Dienstes anregte. Er traf bei den Verantwortlichen Kurt Wührl und Jakob Probst auf großes Interesse und fand in Pastoralreferent Hans Pöschl einen engagierten Mitstreiter. Anfang 1997 konnte der Dienst dann rund um die Uhr gestartet werden.

 

Die Aufgaben

Die Psychosoziale Notfallversorgung umfasst alles, was präventiv oder kurz-, mittel- und langfristig zur Versorgung von Menschen im Zusammenhang von belastenden Großschadensereignissen, Notfällen bzw. Einsatzsituationen notwendig ist.

Übergreifende Ziele der PSNV sind:

  • Prävention und Früherkennung von psychosozialen Belastungsfolgen nach belastenden Notfällen
  • Bereitstellung von adäquater Unterstützung und Hilfe für betroffene Personen und Gruppen zur Verarbeitung belastender Erfahrung sowie die angemessene Behandlung von Traumafolgestörungen.
  • bezogen auf Einsatzkräfte – einsatzbezogene psychische Fehlbeanspruchungsfolgen

Indikationen für den Einsatz der Notfallseelsorge/Krisenintervention sind unter anderem:

  • erfolglose Reanimation, bzw. Tod im häuslichen Bereich
  • Überbringen von Todesnachrichten mit der Polizei
  • Verkehrsunfall auch im öffentlichen Nahverkehr oder andere Unfälle
  • Plötzlicher Kindstod oder andere Todesfälle bzw. schwere Verletzungen von Kindern
  • Gewaltverbrechen
  • Suizid oder Suizidversuch oder Einsätze infolge von bereits ausgeführtem Suizid
  • Großschadensfälle
  • Evakuierung nach Brand oder Explosion
  • Betreuung von Angehörigen (evtl. bei späterem Besuch des Unglücksort), Helfern bzw. Zeugen nach einem Unglück (siehe auch Psychosoziale Notfallversorgung); Betreuung von betroffenen Institutionen, Gedenkfeiern

 

Der Aufbau des Dienstes

Ca. 20 Mitarbeitende aus dem Bereich der Kirchen, des Roten Kreuzes, der Malteser und der Feuerwehr sind im Dienstplan für eine Woche oder ein Wochenende eingeteilt. Sie nehmen rund um die Uhr die Einsatzmeldungen entgegen, die ausschließlich über die Integrierte Leitstelle (ILS) laufen. Veranlasst werden die Einsätze von den Einsatzleitern der Rettungsdienste, der Polizei oder der Feuerwehren. Je nach Einsatzart wird bei häuslichen Einsätzen – wo möglich - der örtliche Seelsorger oder bei größeren Schadensereignissen ein Team zum Einsatzort geschickt.

Im Schnitt dauert ein Einsatz zwischen einer und vier Stunden, im Extremfall auch länger.  Ein Einsatz geht meist dann zu Ende, wenn die Betroffenen von Menschen aus ihrem persönlichen Umfeld weiter versorgt werden können. Es wird immer auch Hilfe zur weiteren Aufarbeitung der Belastungen gegeben. Notfallseelsorge und PSNV ist aber stets nur die erste Intervention bei einer Krise, will und kann aber niemals therapeutische Hilfe ersetzen.

Die Aufgabe bei der PSNV-E wird von eigens geschulten Mitarbeitern übernommen, die aber niemals selbst bei dem belastenden Einsatz aktiv waren. Hier kann auch ein Team von Mitarbeitern angefordert werden, das bei besonders belastenden Einsätzen die Nachsorge für die Einsatzkräfte übernimmt. Hierzu gehört auch die längerfristig ausgelegte und kontinuierliche Betreuung von Helfern im Sinne der Stressbearbeitung nach belastenden Ereignissen (SbE) oder Critical Incident Stress Management (CISM). Ziel ist die Vermeidung einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS; engl. PTSD für: posttraumatic stress disorder). Allerdings machen die beiden unterschiedlichen Zielgruppen PSNV-B und -E durch ihre unterschiedliche Verarbeitung des Notfall-Einsatz-Geschehens eine unterschiedliche Herangehensweise nötig.

Die Leitung der Notfallseelsorge in Straubing Stadt und Land wird bisher durch je einen Beauftragten der beiden Kirchen wahrgenommen. Dies sind derzeit Pfarrer Patrice Banza-Kabwende für die katholische Kirche und Pfarrer Hasso von Winning für die Evangelische Kirche. Künftig soll ein Leitungsteam aus je einem/r Vertreter/in der beteiligten Organisationen gebildet werden. Der Aufbau einer Arbeitsgemeinschaft PSNV Straubing wird derzeit angestrebt.

Der Dienst geschieht durch alle Mitarbeiter/innen ehrenamtlich. Auch wenn natürlich die kirchlichen Kräfte dies im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit tun, erhalten sie kein zusätzliches Entgelt für ihre Tätigkeit.

 

Hilfe für Helfer

In der Prävention für Einsatzkräfte bieten die Mitarbeiter Fortbildungen an. Vorträge in den Schulungsabenden oder auch das ganz persönliche Gespräch sind Teil des Angebots.

Aber auch Notfallseelsorger brauchen Hilfe. Regelmäßige Dienstbesprechungen, in den schwierige Einsätze nachbesprochen werden, persönliche kollegiale Hilfestellung, aber auch professionelle Supervision gehören zum Alltag. Nicht zuletzt der jährlich stattfindende Jahresgedenkgottesdienst für die Opfer bei Einsätzen ist eine Hilfe zur Verarbeitung der belastenden Bilder.

 

Warum tun wir das?

Unsere vorrangige Aufgabe ist es, Menschen in Extremsituationen zu helfen, wieder handlungsfähig zu werden. Wer gerade die Nachricht vom Tod eines Familienangehörigen mitgeteilt bekam, für den bleibt die Zeit schlagartig stehen. Es ist, als ob die Uhr angehalten wird. Wieder ins Leben und damit auch in alltägliche Lebensabläufe zurückzufinden, dabei wollen wir helfen. Dies geschieht vor allem durch Dasein, durch Zuhören und vor allem, indem man sich Zeit nimmt für den Menschen. Ihn nicht alleine zu lassen und ihm das Gefühl zu geben, da bleibt jemand bei mir, ist die wichtigste Hilfe, die wir geben können.

Und wer diesen Dienst tut, erfährt fast unverstellt, wie gut und hilfreich das für den anderen ist. Das tut gut und hilft einem, diese Hilfe selbst anzunehmen, wenn mich die Krise trifft.

 

Hasso von Winning 

Pfarrer Hasso v.Winning, Fachbereich PSNV und Notfallseelsorge